Die FIFA hat bei der WM-Vergabe versagt

Fair Play beginnt nicht erst mit dem Anpfiff.

Die FIFA präsentiert sich seit Jahren als Hüterin des Fair Play. Respekt, Gleichbehandlung und Chancengleichheit gehören zu den Werten, mit denen sich der Weltfußballverband schmückt. Doch genau diese Grundsätze werden infrage gestellt, wenn eine Weltmeisterschaft an ein Gastgeberland vergeben wird, das nicht allen qualifizierten Mannschaften die gleichen Rahmenbedingungen bieten kann.

Ein aktuelles Beispiel ist die iranische Nationalmannschaft. Aufgrund der geltenden US-Einreisebestimmungen konnte sie ihr Teamquartier nicht wie andere Teilnehmer in den USA beziehen. Stattdessen musste die Mannschaft in Mexiko untergebracht werden und durfte jeweils nur kurz vor ihren Spielen in die Vereinigten Staaten einreisen. Nach den Begegnungen war eine zeitnahe Ausreise erforderlich.

Unabhängig davon, wie man die amerikanische Außen- oder Sicherheitspolitik bewertet, steht fest: Die Voraussetzungen waren nicht dieselben wie für viele andere Teilnehmer. Während andere Nationalmannschaften ihre Vorbereitung an einem festen Standort im Gastgeberland durchführen konnten, musste der Iran unter besonderen organisatorischen Bedingungen planen und reisen.

Genau hier liegt das eigentliche Problem.

Die Verantwortung dafür trägt nicht in erster Linie die US-Regierung. Jeder souveräne Staat entscheidet selbst über seine Einreisebestimmungen und Sicherheitsinteressen. Die Vereinigten Staaten sind nicht verpflichtet, ihre Politik für ein Sportturnier zu ändern.

Die FIFA hingegen entscheidet freiwillig, wem sie die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft überträgt.

Wer ein Turnier organisiert, das den Anspruch erhebt, den Weltmeister unter gleichen Bedingungen zu ermitteln, muss bereits bei der Vergabe sicherstellen, dass alle qualifizierten Mannschaften auch tatsächlich unter vergleichbaren Voraussetzungen teilnehmen können. Ist das nicht möglich, darf ein Land nicht als Gastgeber infrage kommen – unabhängig davon, aus welchen politischen Gründen diese Einschränkungen bestehen.

Dabei geht es nicht um Sonderrechte für einzelne Nationen.

Es geht um einen Grundsatz: Alle Teilnehmer müssen gleich behandelt werden.

Die FIFA prüft Bewerberländer nach zahlreichen Kriterien – Infrastruktur, Stadien, Verkehrswege, Hotels, Sicherheitskonzepte und wirtschaftliche Aspekte. Warum sollte die Fähigkeit, sämtliche qualifizierten Mannschaften ohne Einschränkungen aufzunehmen, dabei weniger wichtig sein als die Anzahl moderner Stadien?

Ein Gastgeberland, das einzelnen Teams nur eingeschränkte Einreise ermöglicht oder sie zu besonderen organisatorischen Lösungen zwingt, schafft unterschiedliche Ausgangsbedingungen. Ob sich daraus letztlich ein sportlicher Nachteil ergibt, lässt sich nur schwer messen. Entscheidend ist etwas anderes: Die Voraussetzungen sind nicht mehr gleich.

Genau das widerspricht dem Gedanken eines fairen Wettbewerbs.

Die FIFA hätte dieses Problem lange vor der Vergabe erkennen können. Dass zwischen den USA und bestimmten Staaten politische Spannungen bestehen und Einreisebeschränkungen gelten, ist keine überraschende Entwicklung der letzten Monate. Diese Umstände waren bekannt und hätten bei der Entscheidung über den Austragungsort berücksichtigt werden müssen.

Wer eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet, übernimmt eine besondere Verantwortung. Der Gastgeber muss nicht nur über moderne Stadien verfügen, sondern auch gewährleisten können, dass jede qualifizierte Nationalmannschaft unter denselben organisatorischen Bedingungen am Turnier teilnehmen kann.

Fair Play beginnt nicht erst auf dem Spielfeld.

Es beginnt mit der Entscheidung, wo eine Weltmeisterschaft überhaupt ausgetragen wird.

Und genau dort hat die FIFA versagt.

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